Motivationsschreiben für meinen Aufenthalt in Tamera

Ich sehne mich danach, ganz lebendig zu werden und meine innere Wahrheit in allen Lebensbereichen auszudrücken und zu leben. Ich sehne mich nach Selbstwirksamkeit in einer Welt, die gerade zugrunde geht und in der es kaum noch konventionelle Mittel gibt, in den Lauf der Dinge einzugreifen. Und ich sehne mich nach der Vereinigung mit der Frau.

Diese Sehnsüchte, vor allem die Suche nach einem neuen, funktionierenden Modell von Partnerschaft, haben mich 2012 zum ersten Mal nach Tamera gebracht. Dort und durch die Bücher von Dieter Duhm habe ich immer tiefer verstanden, was es in meinem Leben und in der Welt braucht, um nachhaltig Frieden zu erzeugen. Ich verstehe auch immer tiefer, dass es komplexe und umfassende Modelle braucht. Dass zum Beispiel Gemeinschaftsleben, Befreiung bei dem Thema Partnerschaft und Sexualität und aktive Gesellschaftsgestaltung zusammen gehören und einzeln nicht oder nur sehr eingeschränkt funktionieren. Insbesondere in der selbstbestimmten Sexualität sehe ich die Kraftquelle, die erschlossen werden muss, um alle anderen Aufgaben zu bewältigen.

Momentan bin ich in einer Gemeinschaftsgründung (http://www.nature-community.de/). Vor allem die Menschen im Kern dieser Gemeinschaft sind sich ziemlich einig in ihrer Ausrichtung und sehen Tamera als große Inspirationsquelle und als Vorbild. Für mich ist klar, dass ich in einer Gemeinschaft leben werde, die sich Menschheitsziele steckt, an der Befreiung in Partnerschaft und Sexualität arbeitet und die Gesellschaft ganz praktisch mitgestaltet. Dafür sehe ich in der Nature Community großes Potential und wir wünschen uns die Unterstützung von Tamera. Konkret sind wir gerade in Verhandlung, ein Feriendorf in der Oberpfalz zu kaufen, das über hundert Menschen Platz bietet.

Ich möchte auch ein Zentrum der Vernetzung und einen Treffpunkt und konkrete Handlungsmöglichkeiten für alle anbieten, die unzufrieden sind in den Gewaltsystemen und eine Möglichkeit suchen, die Gesellschaft in Richtung Frieden zu lenken.

Zudem spüre ich, dass es an der Zeit ist, Tamera nach Deutschland zurück zu holen. Mich berührt die besondere Situation dieses Landes, das sein Trauma aus dem zweiten Weltkrieg nicht überwunden hat. Ich denke die wirksamste und sinnvollste Heilungsmaßnahme ist, jetzt konkret und unmissverständlich in den Dienst für den Frieden einzutreten.

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Vorhaben

Ich will wieder so lieben wie ein Mann nur eine Frau lieben kann. Ich will wieder die Spannung zwischen Mann und Frau, das Knistern, die Leidenschaft, jemand ganz anderen lieben, will mich wieder bemühen, einer gemeinsamen Beziehung zuliebe über meine Schatten springen. Ich will streiten wie noch nie, lieben wie noch nie und gemeinsam wachsen wie noch nie. Und mir dabei immer bewusst sein, dass es einen Gott gibt, der viel größer ist als sie und ich und der nur das Beste für uns will.

Ich habe in den letzen Wochen ein seltsames Interesse für alle möglichen Formen von Lebensgemeinschaften entwickelt. Meine Wohnung ist zur WG geworden und ich hab eine Nummer von einer Bauernhof-10er-WG, in der ich zeitweise unterkommen könnte.

Dann war ich gerade wieder in Freiburg in meiner Theatertherapie-Ausbildung und habe gemerkt, wie sehr mein Tag dort mich zufrieden macht. Meine Unterkunft ist die Praxis einer Therapeutin, die ich mir mit zwei sehr netten Mit-Auszubildenden geteilt habe. Aufstehen, gemütliches Frühstück, zu Fuß zur Fachhochschule, den ganzen Tag gemeinsam arbeiten. Produktiv und ehrlich, konstruktiv und engagiert. Und jeden Tag echte Herausforderungen. Dann noch was trinken gehen und ab ins Bett. Kein Alkohol, kein Konsum, kein Laptop, keine emails, kein Internet, keine Versicherungen, Solaranlagen, Geldangelegenheiten, Papierkram, Videos. Einfach mal ein paar Tage nichts unwichtiges. Stattdessen Menschen, Freunde, Schicksale, Emotionen, Lerneinheiten zu Themen wie „innere Haltung“, heilen lernen.

Ich sehne mich nach einem Leben in Einfachheit, meinetwegen Armut. Frei von meinen Süchten. Mit Gleichgesinnten. Eine Art Kommune mit Menschen, die sich in Ihren Taten konsequent danach richten, was Jesus gelehrt und vor allem getan hat, unabhängig von Religion und Herkunft. Überzeugen durch Taten.

Ich will einen Dokumentarfilm drehen. Titel „Phantom Volksvertretung“. Schauen ob es stimmt, dass die wichtigsten Entscheidungen in Deutschland nicht mehr im Sinne des Volkes getroffen werden und dass daraus viel vermeidbares Leid resultiert. Auf unsere Verantwortung für alltägliche gewaltsame Handlungen hinweisen, die in unserer Welt meist indirekt in unserem Auftrag ausgeführt werden. Die Menschen ermahnen, sich konsequent liebevoll zu verhalten. Gegenüber Mitmenschen und der Schöpfung und nicht nur direkt, sondern auch indirekt über Kaufentscheidungen. Zu Konsumverzicht auffordern und zeigen, wie leicht wir eine gleichberechtigte und friedliche Völkergemeinschaft aus unserer Welt machen können, wenn wir das nur wollen und dementsprechend handeln.

Gewaltlosigkeit in ihrer ganzen Konsequenz in die Politik bringen und wählbar machen. Materiellen Reichtum und die damit verbundene gesellschaftliche Anerkennung vom Thron stoßen und den Platz freimachen für Demut, Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit und Gewaltlosigkeit. Ich will einen Ort schaffen, an dem ich gemeinsam mit Gleichgesinnten diesen Wunsch lebendig werden lassen kann. Davon träume ich und darum bitte ich. Für mich und für uns alle.

Ich will singen und musizieren. An meiner Gitarre und am liebsten zusammen mit einer Frau am Klavier oder an der Violine. Zweistimmig natürlich. So wie Damien Rice oder Glen Hansard in „Once“. Einfache, ausdruckstarke Musik.

Und zunächst suche ich einen Ort, an dem ich meine Daten und Gedanken sortieren kann und wo Menschen sind, die mir helfen, mich von meinen Süchten zu verabschieden.

Wenn Sie sich angesprochen fühlen, dann zögern Sie bitte nicht, sich bei mir zu melden.

Einsamkeit

Eine der ersten spannenden Fragen, die mir meine letzte Freundin gestellt hat, war, ob ich Angst davor habe, einsam zu sein. Ehe ich darüber nachdenken konnte sagte ich „Ja“ und war selbst erstaunt über diese klare und schnelle Antwort. „Das merkt man Dir an“ sagte sie.

Ich fühle mich zur Zeit öfters einsam. Und irgendwie schäme ich mich dafür.

Es war Freitag Abend, fast Mitternacht, und alles in mir hat sich dagegen gesträubt, alleine nach Hause zu gehen. Ich bin von Kneipe zu Kneipe, ohne mich irgendwo reinzusetzen in der Hoffnung, irgendwo jemanden zu finden, der mit mir kommt. Dann hab ich beschlossen, alleine nach Hause zu gehen, um mich meiner Einsamkeit zu stellen.

Ich versuche das derzeit öfters. Mich der Einsamkeit stellen. Sie kennen lernen.

An jenem Freitag habe ich meine Vorhaben formuliert.

Danke 2007

Es gibt Momente, in denen ich mehr als sonst das Gefühl habe, dass Gott mich führt und dass alles, was ich in meinem Leben lernen und erfahren durfte der Umsetzung eines Plans dient, den nur Gott kennt. So einen Moment erlebe ich gerade. Heute möchte ich mich bei den Menschen bedanken, die mich 2007 begleitet und gefördert haben. Ich fühle mich von Wohlwollen umgeben und das bestärkt mich auf meinem Weg.

Ich verneige mich vor

Jesus Christus, der mir die Orientierung gibt, die ich brauche.

Mahatma Gandhi, dessen Art und Weise zu wirken mich zutiefst bewegt und der für mich eine Referenz für das ist, was ein Mensch an Liebe in der Welt auslösen kann.

Franz von Assisi, den ich im Musical „Franky“ mit meiner früheren Theatergruppe darstellen durfte. Sein Mut und die Radikalität, mit der er sich von weltlichen Werten abgewendet und einem Leben für Gott zugewendet hat, ist für mich Inspiration.

Michail Chodorkowski, der alles Weltliche geopfert hat um seinen Werten treu zu bleiben und jetzt statt sich auf seinen Milliarden auszuruhen im Gefängnis sitzt. Ich brauche Vorbilder wie ihn.

Konstantin Wecker und Georg Schramm für ihre Leidenschaft und Schonungslosigkeit, mit der sie mich anstacheln und ermahnen, mich für eine liebevolle Welt einzusetzen.

Jürgen Roth und Werner Rügemer, zwei Journalisten, die viel einsetzen und riskieren, um aufzuzeigen, was in Deutschland hinter den Fassaden passiert.

der City Church München, einer jungen, dynamischen Christengemeinde. Für euren herzlichen Empfang, eure Einladung, mich ganz bei euch einzubringen und die Möglichkeit, meinen Glauben zusammen mit euch zu entwickeln und praktisch umzusetzen.

Oliver Peil, Pastor der City Church. Für die inspirierenden Gespräche, Deine Ehrlichkeit, Offenheit und Dein Engagement für mich. Ich bewundere deinen Mut, Dich öffentlich für ein liebevolles Zusammenleben auszusprechen und einzusetzen.

Felix Schmidt. Durch Dein Engagement bin ich Teil von Gruppen, in denen ich gerne meine Zeit verbringe und die mich sehr bereichern. Du bist Mitinitiator meiner beiden Urlaube und eine super Informationsquelle und ein spannender Gesprächspartner wenn es um globale Machtverhältnisse und alternative Lebenskonzepte geht.

Hanno Langfelder. Für die Erfahrung, gemeinsam mit Dir die „Happy Hour“ zu leiten und in dieser Funktion und als Freunde gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Und dafür, dass Du Dich von gesellschaftlichen Ereignissen und Entwicklungen so stark berühren lässt und den Mut hast, das zu zeigen (Juhu, ich bin nicht allein!).

Johannes Wagner. Deine Buchempfehlung „Der ungezähmte Mann“ hat mich zurück zu Gott gebracht und unsere Gespräche an dem einzigen Tag, an dem wir uns dieses Jahr gesehen haben, beeinflussen mein Leben nachhaltig und positiv.

Meiner Familie. Dafür, dass ich weiß und spüre, wie sehr ihr mich liebt und dafür, dass ich immer auf euch zählen kann.

Den Mitgliedern der „Happy Hour“, einer Art Laien-Supervisionsgruppe innerhalb meines Freundeskreises. Dafür, dass ihr diesen Traum, den ich vor der Entstehung bereits hatte, durch euer Engagement möglich und lebendig macht. Und für das Vertrauen, mit dem ihr euch führen lasst.

Den Mitspielern von SIE HABEN DA WAS. Für die vielen bereichernden Sessions und dafür, dass ich fast jedes Mal Tränen lache.

Meiner früheren Theatergruppe von Sankt Joseph und unserem Leiter Martin Decker. Für viele spannende Aufführungen und Proben und dafür, dass ich in die Rolle des Franz von Assisi schlüpfen durfte und darin so toll von euch unterstützt wurde.

Den Leitern und Teilnehmern meiner Theatertherapie-Ausbildung. Für unglaublich lange und erlebnisreiche Tage in Freiburg, die mich verzaubert und inspiriert haben.

Meiner Mitbewohnerin und meinen Nachbarn. Dafür, dass ich auch wegen euch immer gerne nach Hause komme.

Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses DANKESCHÖN so sehr berührt.

Gleichzeitig berührt mich, wie lange die Liste geworden ist, obwohl ich mich nur auf die wichtigsten Menschen und auf 2007 beschränkt habe. Ich fühle mich reich beschenkt.

Ich hoffe es ergibt sich die Gelegenheit, eine Party mit euch allen zu feiern!

Winter-Wanderung

 

während meinem Aufenthalt in Haus Hammer am 16.12.2007

Einmal mehr hat mich das Wandern und Beten im Winterwald inspiriert.

Plopp – ein inspirierender Gedanke nach dem anderen taucht auf:
Möglichkeiten, Probleme anders und kooperativer zu lösen
Möglichkeiten, meine Lebensbereiche zu verbinden
Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Ähnlich-Gesinnten

Anscheinend brauche ich die Einsamkeit, um die Gemeinsamkeit zu gestalten…