Dieter Duhm spricht über TERRA NOVA

Dieter Duhm, Mitgründer von Tamera, über sein neues Buch, die Situation der Menschheit und einen Weg zum inneren und äußeren Frieden.

Grundregeln für ein friedliches Zusammenleben

Peter Gray beschreibt, wie Jäger & Sammler – Stämme die Hierarchie flach gehalten haben und ein friedliches Zusammenleben ermöglicht haben.

Dabei stellt er drei Grundtherorien auf:
1. Jäger & Sammler hatten ein System von „umgekehrter Dominanz“, um auszuschließen, dass einer Macht über andere ansammelt.
2. Jäger & Sammler haben die Gleichwertigkeit erhalten, indem sie die spielerische Seite ihrer menschlichen Natur genährt haben und spielen unterstützt Gleichwertigkeit
3. Jäger & Sammler erhielten ihre Gleichwertigkeitskultur mit Ihrer Art, Kinder zu behandeln, die in jeder neuen Generation Gefühle von Vertrauen und Akzeptanz erzeugen

Der ganze Artikel in englisch:

http://www.psychologytoday.com/blog/freedom-learn/201105/how-hunter-gatherers-maintained-their-egalitarian-ways

Buchrezensionen Dieter Duhm

Angst im Kapitalismus (1972)

öffnet die Augen für das Kranke an unserer Normalität

Ich habe dieses Buch 2013 zu einem Zeitpunkt gelesen, als ich längst verstanden hatte, daß der Kapitalismus ein völlig ungeeignetes System ist um friedlich zusammen zu leben.
Umso mehr war ich erstaunt, wie normal mir trotzdem vieles, mit dem ich ganz selbstverständlich aufgewachsen bin, vorkam (und immer noch vorkommt), was völlig der Natur des Menschen widerspricht.
Ich bin 1979 geboren und in einer Generation aufgewachsen, in welcher der Kapitalismus (zumindest in der westlichen Welt) als Grundprinzip des menschlichen Zusammenlebens nicht mehr in Frage gestellt wird, schon gar nicht in der Schule (mehr über die Auswirkung des Kapitalismus auf das Schul- und Erziehungssystem im Buch).
Gleichzeitig hat mich die Lektüre immer wieder persönlich sehr betroffen, zum Beispiel als ich verstanden habe, wie ständig eine äußere, bewertende Instanz ein Auge auf mich hat, solange bis ich mich (wie fast alle meiner Leidensgenossen) aus Angst vor dieser Übermacht selbst unterdrückt und mich in den engen Käfig einer systemfähigen Moral gezwängt habe. Die Ablösung der äußeren Gewalt durch Gewalt im Inneren.
Ich halte dieses kleine Buch für eine wichtige Grundlage zum Verständnis der Weltsituation ebenso wie zum Verständnis des Lebenswerkes von Dieter Duhm.

Der unerlöste Eros (1991)

Beendigung des Geschlechterkampfs

Dieses Buch war das erste von Dieter Duhm, das ich gelesen habe.
Ich habe dadurch verstanden, warum meine Liebesbeziehungen nicht so erfüllend waren wie ich es mir wünsche.
Dieter Duhm nutzt hier seine scharfe Beobachtungsgabe und seinen klaren Verstand, um das Thema Nr. 1 auseinander zu nehmen und anschließend wieder so zusammen zu setzen, dass sich eine echte Perspektive ergibt, die viel größer und viel anziehender ist als jede romantische Verklärung. Dabei ist jederzeit zu spüren, dass es dem Autor um die Beendigung des Geschlechterkampfes geht und nicht wie in vielen Büchern und Seminaren zu dem Thema darum, die jeweilige Zielgruppe besser für den Kampf zu wappnen.
Mittlerweile habe ich im Kontakt mit Frauen ein ganz anderes Selbstverständnis und viel mehr Mut, zu mir zu stehen. Dieses Buch war der Anfang auf dieser Reise.
Ich bin Dieter Duhm zutiefst dankbar für alles, was er durch sein Werk in meinem Leben ermöglicht.

Terra Nova – Globale Revolution und Heilung der Liebe (2014)

Die einzige realistische Friedensutopie, die ich kenne

Das Besondere an diesem Buch ist, dass es einen Weg vorzeichnet, wie sowohl im Menschen als auch auf unserem Planeten ein tiefer Frieden entstehen kann, ohne dabei die Augen vor den derzeitigen Realitäten zu verschließen.
Ich habe bereits „Angst im Kapitalismus“, „der unerlöste Eros“ und „die heilige Matrix“ von Dieter Duhm gelesen und war zweimal in Tamera. Sein Lebenswerk hat mir in vielen Bereichen die Augen geöffnet, mich in der Verzweiflung (zB über den Verlauf meiner Liebesbeziehungen oder die fehlende Perspektive unserer Zivilisation) abgeholt und mir sinnvolle Handlungsmöglichkeiten eröffnet, die ich davor nicht gesehen habe.
Immer wieder stimmten seine Worte mit meinem Erleben überein.
Dieses Buch ist in meinen Augen so eine Art Kurzanleitung und wird ohne Vorkenntnisse sehr wahrscheinlich zu Irritationen und Unverständnis führen.
Wer sein Werk in der Tiefe verstehen will dem sei geraten, seine früheren Bücher zu lesen oder sich aus der umfangreichen Literaturliste am Ende des Buches zu bedienen.
Oder – das ist vielleicht die spannendere Variante – die Aussagen im Selbstversuch zu überprüfen.

Die Christus-Tatsache

ist das erste Kapitel im Buch „Terra Nova – Globale Revolution und Heilung der Liebe“, das ich gelesen habe. Gelesen? Zwischendrin kam es mir vor als würde ich die Buchstaben und Wörter eher inhalieren oder als würden sie mich überfallen. Schauer laufen mir über den Rücken und Tränen über die Wangen. Was passiert da?

Es ist die Erinnerung an einen Zustand, den ich meist verdränge oder vergesse. Völlig im Einklang mit mir und im Frieden mit dem um mich herum zu sein. Dieter Duhm nennt es die „Christus-Tatsache“, dass wir in uns die Zielgestalt des heilen Menschen tragen. Und diese Erde trägt in sich die Zielgestalt eines vollkommenen Friedens.

So erkläre ich mir die Schauer und die Tränen. Die Worte gehen in Resonanz mit dieser inneren Zielgestalt und die Tränen sind zugleich Ausdruck einer unendlichen Erleichterung, dass sie noch in mir existiert und einer gewaltigen Sehnsucht danach, diese Gestalt mit Leben zu füllen.

Diese Tage sind bewegt. Ich habe vor zwei Wochen den ersten Grad in Reiki erlernt, schaue „Die letzte Versuchung Christi“ und komme gerade vom Terra-Nova-Netzwerkwochenende. Menschen, die es immer noch wagen, vom Weltfrieden zu sprechen und sogar eine Idee haben, wie er zu erreichen ist. Dieter Duhm, der nur im Geiste anwesend war, mit seinem Lebenswerk. Eine Konsequenz und Unerbittlichkeit auf der Suche nach dem Frieden in uns und in der Welt, wie sie mir in der Form in der heutigen Zeit nicht begegnet ist. Und jetzt der Versuch, die Friedenskräfte zu einen und zu stärken, so dass ein Kraftfeld entsteht, das dem Frieden zum Durchbruch verhilft.

Seit den ersten Worten, die ich in „Der unerlöste Eros“ gelesen habe hat mich dieser Mensch auf einer Ebene erreicht, die gleichzeitig fast aus meinem Blickfeld entschwunden war und nach der ich mich dennoch so sehr gesehnt habe. Was hat mein Handeln für einen Sinn, wenn es doch offensichtlich zu spät ist für einen fundamentalen Wandel in der Zivilisation? Was hat meine Sehnsucht nach Intimität, Sex und Verbindung mit einer Frau für eine Berechtigung, wenn es am Ende immer wieder zu Enttäuschung kommt? Wofür soll ich kämpfen und woher soll ich die Kraft nehmen? Dass ich den Antworten näher komme habe ich zu einem großen Teil Dieter Duhm zu verdanken.

Es verunsichert mich, in diesen Worten über einen Menschen zu schreiben. Dieter Duhm, mein Guru?

Nein. Es geht um was Größeres. Wäre das der Egotrip eines gescheiterten Marxisten dann könnten seine Worte nicht diese körperlichen Reaktionen in mir hervor rufen. Der Mann hat etwas Grundlegendes verstanden und er hat den Mut, es zu Papier zu bringen und zu veröffentlichen.

Das menschliche Wesen ist abhängig

Spätestens seitdem ich Anfang 2002 den Quadrinity Prozess gemacht habe, erforsche ich mit großem Interesse mich selbst und versuche dabei zu erkennen, welche Erkenntnisse ich auf das menschliche Wesen im Allgemeinen anwenden kann.
Ich habe mir irgendwann in meiner Grundschulzeit geschworen, dieses Leben alleine zu meistern. „Ich brauch euch alle nicht mehr!“ Dieser Schwur hat seine Wirkung voll entfaltet. Mit 26 Jahren hatte ich einen Haufen Geld auf meinem Konto, eine angezahlte Eigentumswohnung in München und ein kleines regelmäßiges Einkommen für die nächsten 20 Jahre sichergestellt.
Jetzt merke ich, dass ich mein eigentliches Ziel – emotionale Unabhängigkeit und das subjektive Gefühl von Freiheit – nie erreicht habe und auf diesem Wege auch gar nicht erreichen kann.
Das hat mein Selbstbild ins Wanken gebracht. Ich empfinde mich mittlerweile als abhängiges Wesen. Meine Freiheit besteht unter anderem darin, zu wählen, von was oder wem ich mich abhängig mache.
Ich beobachte die Menschen, die mir nahe stehen, und schaue, ob ich bei Ihnen eine Bestätigung für dieses Menschenbild finde. Tatsächlich ist das – zumindest in meiner Wahrnehmung – häufig der Fall. Manche machen sich von Gott oder Jesus Christus abhängig, andere von ihrem Partner, ihren Eltern, einem gesellschaftlichen oder persönlichen Ideal. Viele von dem Bestreben nach Unabhängigkeit. Auch mehrere Autoritäten gleichzeitig sind möglich.
Gestern habe ich im Spiegel einen Report über die Täter im Nationalsozialismus gelesen. Nur ungefähr die Hälfte der ermordeten Juden wurde in Konzentrationslagern umgebracht. Es gab über 100.000 Mörder. Die wenigsten von Ihnen konnten als krank eingestuft werden und die meisten haben nach dem Zerfall des Dritten Reiches als ganz normale Bürger gelebt, ohne dass von Ihnen eine Gefahr ausgegangen wäre.
Es wird auch ein Versuch geschildert, in dem Probanden falsche Antworten von Prüflingen mit Stromschlägen bestrafen sollten. Die Probanden konnten dabei die Prüflinge nicht sehen, aber ihre Schreie hören. Die Schmerzen waren dabei simuliert, das wussten die Probanden allerdings nicht. Die Mehrzahl hat den Prüflingen trotz Schmerzenschreie Stromschläge mit 450V versetzt, wenn sie durch den Versuchsleiter dazu aufgefordert wurden.
Diese Vorgänge legen den Verdacht nahe, dass der Mensch eher den expliziten oder impliziten Anweisungen einer von ihm akzeptierten Autorität folgt, als das zu tun, was er für richtig – oder moralisch vertretbar – hält.
Dabei scheint für mich die Autorität, der es zu folgen gilt, häufig den Charakter eines Heilbringers zu haben. Hitler wurde so eingestuft. Für viele ist Unabhängigkeit die Rettung vor Leid und Schmerz, für andere eine Person.
Ich bin gespannt, was bei diesen Forschungen noch zu Tage tritt. Meine Lehre daraus ist bisher, große Aufmerksamkeit dafür zu verwenden, wen oder was ich als Autorität in meinem Leben akzeptiere. Spannend finde ich überdies, dass meine grossen Vorbilder sich selbst ebenfalls als sehr abhängig eingestuft haben.

03.11.2014
Ich habe weiter geforscht und bezeichne mittlerweile das menschliche Wesen als selbstbestimmt und unabhängig. Dennoch sind meine Beobachtungen richtig und auch die Schlussfolgerung nachvollziehbar. Der Schlüssel liegt in den gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen wir leben. Da bleibt nicht viel von unserer wesenseigenen Selbstbestimmtheit übrig.
Ich empfehle „Angst im Kapitalismus“ von Dieter Duhm.
Das Milgram-Experiment: http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment