Ich & unser Wirtschaftssystem

Download as pdf

Ich war bei der Diskussion mit dem Thema „Weniger ist MEHRWert – grünes Wachstum ohne Grenzen?“, das von der GLS-Bank und meinem Auftraggeber Green City Energy ausgerichtet wurde.
Mich beschäftigt dieses Thema und die Diskussion hat mich angeregt, meine diesbezüglichen Gedanken aufzuschreiben und zur Verfügung zu stellen.

Ich habe mich selbst mit den Themen beschäftigt und bin dabei zu folgenden Erkenntnissen und Prognosen gekommen:
– Der Kapitalismus wie wir ihn derzeit vorfinden dient der Konzentration von Besitztümern und mündet zwangsläufig darin, dass wenige fast alles besitzen
– Durch die Kreditfinanzierung und die ständig steigenden Zinsen und Zinseszinsen ist der Kapitalismus abhängig von Wirtschaftswachstum, zumindest aber von einer stetig steigenden Geldmenge. Ist dies nicht mehr gewährleistet, droht der Zusammenbruch des Systems. Das erleben wir gerade.
– Diese Mechanismen können nicht aufgehalten werden, ohne den Kapitalismus abzuschaffen oder ihn so von Grund auf zu ändern, dass es einer Abschaffung gleich kommt. Trotz vereinzelter Ansätze ist für mich derzeit keineswegs erkennbar, dass es politische oder wirtschaftliche Akteure gibt oder geben wird, die das leisten können und wollen. Die wenigen Profiteure des Systems nutzen ihre Macht, um den Aufbau nachhaltigerer und lebensdienlicherer Strukturen zu behindern.
– Die Regierungen der europäischen und nordamerikanischen Länder sind so mit dem kapitalistischen System verflochten, dass Initiativen, sich ausserhalb dieses Systems zu bewegen, von den Regierungen nicht zu erwarten sind.
– Der globalisierte Kapitalismus löst weltweit einen beträchtlichen Teil des vermeidbaren Leids aus und führt zu Kriegen und Investitionen in Militär.
– Die Epoche des globalisierten Kapitalismus hatte einen Anfang und hat (wie alle Epochen) ein Ende, wie auch immer das aussehen mag.
– Der globalisierte Kapitalismus und das damit verbundene Finanz- und Währungssystem erhält seine Macht ausschliesslich durch die Vielzahl an Menschen, die an dem System beteiligt sind,  und deren Wertschöpfung.

Das ist mein Bild. Ich will damit niemanden (und am wenigsten mich selbst) demotivieren. Ich will dazu aufrufen, die Hoffnung aufzugeben, dass irgendjemand die Megamaschine (Zitat von Gandalf Lipinski) in den Griff bekommen wird oder den Kapitalismus in ein grünes, nachhaltiges und faires System verwandeln wird. Das kann nicht funktionieren, weil die DNA des Kapitalismus eine völlig andere ist. Versuchen Sie mal, mit einem Hammer Blumen zu gießen. Deshalb ist nicht jedes Agieren innerhalb des Systems nutzlos, es macht aber in vielen Fällen Sinn, meine Energie aus dem bestehenden System abzuziehen und etwas neues zu entwickeln.

Was kann ich also tun?
Bei mir selbst bleiben. Nicht versuchen, die Welt oder meinen Mitmenschen zu verbessern, sondern einen klaren Blick auf die Dinge gewinnen, Entscheidungen treffen, mit denen ich mein Leben und Handeln zu einer Aussage über mich selbst mache und diese Entscheidungen umsetzen. Einfachheit hilft mir hier viel besser als konzeptionelles Denken.

Ich habe vor einiger Zeit einen Hintergrundbericht über Facebook gelesen. Mir war sofort danach klar, dass ich kein Teil davon sein will. Einige Tage später habe ich mein Profil gelöscht.
Mir ist völlig klar, dass ich kein Teil des globalisierten Kapitalismus und dem damit verbundenen Finanz- und Währungssystem sein will. Es gilt für mich, das umzusetzen. Herauszufinden, ob und wie das möglich ist, auch wenn ich seit 31 Jahren höre, dass es nicht möglich ist und dass es außerdem Geld braucht um überhaupt etwas zu bewegen. Was würde Jesus dazu sagen? Was würde Mahatma Gandhi dazu sagen?
Schon bevor ich die Mechanismen des Systems verstanden habe, hat mich die Idee angezogen, Geld keinen Wert mehr beizumessen. Ich sehe darin großes Potential für meine innere Freiheit. Das Ansammeln von Besitztümern begann in meinem Leben nach einem gravierenden Vertrauensverlust in meine Mitmenschen.
Es gilt, meine Ängste diesbezüglich als das zu erkennen, was sie sind. Illusionen, Hirngespinste und Stimmen einer wahnsinnigen Normalität. Es gilt, eine Entscheidung zu revidieren, die ich nie bewusst getroffen habe (Teil der Megamaschine zu sein), die aber maßgeblich in meinem Leben wirkt und die mich immer mehr zerreißt, je bewusster ich wahrnehme, was passiert.

Ich strebe inneren Frieden an. Deshalb faszinieren mich Menschen wie Jesus und Mahatma Gandhi. Sie haben (zumindest in dem Bild, dass ich von ihnen habe), einen inneren Frieden erreicht, der mich anzieht. Ihr Leuchten motiviert mich.
Ich werde manchmal sehr wütend, wenn ich mir die Auswirkungen der Megamaschine bewusst mache. Ich habe herausgefunden, dass diese Wut daraus resultiert, dass ich Teil der Maschine bin. Ich denke, diese Wut wird Traurigkeit und Tatendrang weichen, sobald ich das behoben habe. Traurigkeit stört – im Gegensatz zur Wut – meinen inneren Frieden nicht. Auf Facebook bin ich nicht mehr wütend.

Die Epoche des globalen Kapitalismus neigt sich dem Ende entgegen. Das ist für mich erstmal eine frohe Botschaft und ich sehe darin eine große Chance zur Weiterentwicklung unseres Zusammenlebens. Es gibt dabei allerdings eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es zu Gewaltexzessen kommt und die Leute sich gewaltbereiten Menschen und den entsprechenden Konzepten anschließen. Inwieweit wir die Chance nutzen können wird davon abhängen, wie viele Menschen die Chance erkennen und in der Unordnung beginnen, kreativ zu gestalten, und wie viele Menschen sich als Opfer der Entwicklungen sehen und aus Angst vor Verlust und Veränderung nach allem und jedem greifen, was oder wer Sicherheit verspricht.

Links/Quellen/Inspirationen:
„Gespräche mit Gott“ von Neil Donald Walsh
„Jetzt“ von Eckhart Tolle
http://www.greencity-energy.de/news/49-green-city-energy-news/948-veranstaltungen-green-city-energy.html
http://www.hintergrund.de (von dort stammen viele meiner Informationen)
http://www.hintergrund.de/201107071639/hintergrund/medien/die-facebook-falle.html
http://www.hintergrund.de/201107121646/wirtschaft/welt/die-oekologischen-grenzen-des-kapitals.html
http://www.youtube.com/watch?v=BNbwppRWCQY (englischer Ausschnitt aus dem Film „Gandhi“, indem er den englischen Besatzern erklärt, wie er sie durch „Nicht-Kooperation“ gewaltfrei zum Verlassen Indiens bewegen will)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s