Dear Mr. President,

Ihre Reden haben mich vom ersten Moment an berührt und fasziniert. Die Rede über Rassen war eine der ersten Reden, die ich von Ihnen gehört habe. Ich hatte Tränen in den Augen und das war nicht das letzte Mal im vergangenen Jahr.

Was bewegt mich so sehr? Der Erfolg, den Sie mit Ihren Ideen und Konzepten haben, gibt mir Hoffnung. Zum einen Hoffnung für Amerika. Ich mochte Bushs Politik noch nie. Als er jedoch wiedergewählt wurde, obwohl klar war, dass es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gibt, ist ein großer Teil meiner Hoffnung gestorben, dass Amerika zu einer friedlichen und gerechten Welt beitragen will. Nun, nachdem das amerikanische Volk Sie zum Präsidenten gewählt hat, lebt diese Hoffnung mehr denn je.

Stärker als das bewegt mich, was Ihre Präsidentschaft für Deutschland bedeuten könnte. Soweit ich das beurteilen kann, gibt es viele Menschen hier, die noch an die Macht der Politik glauben. Obwohl unsere Politiker seit Jahrzehnten so tun als ob ihre Entscheidungen Sachzwängen unterlägen und obwohl die wichtigsten politischen Weichenstellungen in den letzten Jahren im Namen von Finanzinstituten und Großunternehmen anstatt im Interesse des Volkes erfolgten, meine ich zu spüren, dass viele von uns insgeheim warten. Sie warten darauf, jemandem ihr Vertrauen und ihre Stimme zu schenken, der an die Macht der Politik als Volksvertretung glaubt und diese zum Wohle des Volkes einsetzt.

Oft wenn ich mit meinen Freunden über Sie gesprochen habe, kamen zwei Einwendungen. Zum Einen gibt es hier wohl stärker als in anderen Ländern Vorbehalte gegen Politiker, die charismatisch auftreten und die Fähigkeit haben, mit ihren Worten emotional zu bewegen und Menschen zu begeistern. Das ist nachvollziehbar. Das hat aber mehr mit der bisherigen Unfähigkeit zu tun, unser Hitlertrauma emotional aufzuarbeiten, als mit Ihnen. Ich freue mich darüber, einen Mann in dieser Position zu sehen, der mich so bewegt wie Sie und dabei auffordert, selbst einen Weg einzuschlagen, der das Leben möglichst vieler Menschen bereichert.

Zweitens haben mir viele Leute entgegen gehalten, dass Sie selbst als Präsident der USA gar keinen so großen Handlungsspielraum haben, um ihre großen Ideen umsetzen zu können. Das hat mir zu denken gegeben. Schließlich habe ich mich auch viel mit globalen Machtstrukturen auseinander gesetzt und sehe einige Substanz hinter diesem Argument. Umso mehr begeistert mich ihr Handeln. In den ersten zwei Wochen haben Sie Maßnahmen gegen Lobbyismus im Parlament ergriffen, Spitzengehälter von Parlamentariern eingefroren, die Tabaksteuer drastisch erhöht um damit die allgemeine Krankenversicherung auszuweiten und eine Reduzierung des Atomwaffenarsenals auf zwanzig Prozent der jetzigen Größe als erstrebenswertes Ziel deklariert. Es würde mich doch wundern, wenn es da nicht einige sehr einflussreiche Menschen in Ihrem Land gäbe, die sich wünschen, Sie hätten weniger Macht.

Sie widerlegen die Skeptiker und den Zweifler in mir. Sie zeigen, was entschlossene Politik leisten kann. Ich verstehe Ihren Weg als Aufforderung, das Schicksal meines Landes auch in meine Hände zu nehmen. Und ich bin mir sicher, dass es einige gibt, die sich ebenso herausgefordert fühlen.

Ich danke Ihnen fürs voraus gehen. Möge Gott Ihnen und Ihrer Familie ein langes Leben schenken und Ihnen weiterhin alles geben was Sie brauchen, um Amerika und die Welt zu bereichern.

Christoph Dold

03.11.2014
Ernüchterung. Barack Obama hat keine wesentliche Änderung in die amerikanische Politik gebracht, am größten ist die Enttäuschung wohl in der fortgeführten Kriegspolitik.
Die Geschichte ist für mich eine ganz klare Bestätigung dafür, dass der notwendige gesellschaftliche Wandel nicht von den politischen Machthabern kommen kann und wird. Ob sie nicht wollen oder nicht können ist dabei zweitrangig.

2 Kommentare zu “Dear Mr. President,

  1. Du hast ja auch einen Blog. Schön, dass sich eine Generation über den Sonnos bei Birgit-Rita getroffen hat…Hier werde ich sicher des öfteren vorbeischauen. Ganz interessant, was sich hier bei dir so versammelt hat, an schönen Worten, die einen Einblick geben, was dich so bewegt…
    Vom Norden, dem herrlichen Flensburg einen Gruß in den Süden nach München

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