Schmerz

Es ist halb zwei Uhr nachts und ich warte darauf, dass meine Mexiko-Pfanne auf lauwarm abkühlt. Ich verbringe viel Zeit beim Zahnarzt, weil viele Zähne neu versorgt werden müssen. Die momentan nur mit Zwischenfüllungen ausgestatteten Zähne schmerzen, wenn ich zu heiß esse.

Da ich sowieso sehr empfindlich auf alle möglichen Stoffe von aussen reagiere und weil ich der Überzeugung bin, daß Schmerzen einen Sinn haben und nicht generell vermieden werden sollen, habe ich meine Zahnärztin gebeten, mich ohne Betäubung zu behandeln. Die jeweils eineinhalb Stunden Behandlungszeit sind schmerzhaft und sehr anstrengend. Ich bin körperlichen Schmerz nicht mehr gewohnt.

Heute abend habe ich mich sehr unwohl gefühlt. Zahnschmerz und Kopfschmerz haben um meine Aufmerksamkeit gerungen, es war viel zu heiß zum schlafen, die Nase war verstopft und der Magen leer. Ein klarer Fall für Aspirin. Normalerweise. Ich habe lange gerungen bis ich mich entschliessen konnte, diese Nacht auf die Chemiekeule zu verzichten und den Schmerz länger als gewohnt auszuhalten.

Ich lese gerade „Gewaltlose Kommunikation“ von Rosenberg. Ich wollte mal versuchen, ob ich auch mit dem Schmerz gewaltlos kommunizieren kann. Also hörte ich mal kurzzeitig auf, ihn mir weg zu wünschen und fragte ihn, was er denn von mir wolle. „Schau!“ „Wohin?“ „Schau Dich an!“ Bitte? Na schön. Also… ich habe heute viel Zeit in der prallen Sonne verbracht. Ich weiß, daß mir das nicht gut tut. Zusätzliche eine dreistündige Radtour in der Mittagshitze und bei wahrscheinlich sehr hohen Ozonwerten. Den ganzen Tag nichts ordentliches gegessen und am Abend statt angeschlagen einzuschlafen noch Fussball in ungemütlicher Körperhaltung geschaut. Ja, meine Schmerzen haben ihre Daseinsberechtigung.

Ich bin immer wieder nur da gelegen und habe versucht, nichts zu tun ausser meinem schmerzenden Körper Aufmerksamkeit zu schenken. Auch das war sehr ungewohnt. Ich weiß aus der Erfahrung mit seelischen Prozessen, dass Schmerz sich irgendwann verwandelt, wenn er genügend ungeteilte Aufmerksamkeit bekommt. Ich wollte mal sehen, ob das körperlich auch funktioniert. Schließlich war nach ungefähr drei Stunden der Schmerz so weit abgeklungen, dass ich einschlafen konnte.

Ein Kommentar zu “Schmerz

  1. ich bin auch grad in einer zahnarzt-daily-soap und fange bei dem massiven trainig an, zum ersten mal schmerzen gegenüber eine etwas gelassenere haltung einzunehmen. bisher hatte ich immer null toleranz.

    finde ich spannend, dass du solche gedanken online stellst. ich schreib auch permanent solche sachen, aber die wandern in meinen tagebuch ordner. ich frag mich in letzter zeit, was mich davon abhält auf eine art selbstreflektiv zu schreiben, dass ich die sachen dann auch mit einem guten gefühl veröffentlichen kann.

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