Das menschliche Wesen ist abhängig
März 14, 2008
Spätestens seitdem ich Anfang 2002 den Quadrinity Prozess gemacht habe, erforsche ich mit großem Interesse mich selbst und versuche dabei zu erkennen, welche Erkenntnisse ich auf das menschliche Wesen im Allgemeinen anwenden kann.
Ich habe mir irgendwann in meiner Grundschulzeit geschworen, dieses Leben alleine zu meistern. „Ich brauch euch alle nicht mehr!“ Dieser Schwur hat seine Wirkung voll entfaltet. Mit 26 Jahren hatte ich einen Haufen Geld auf meinem Konto, eine angezahlte Eigentumswohnung in München und ein kleines regelmäßiges Einkommen für die nächsten 20 Jahre sichergestellt.
Jetzt merke ich, dass ich mein eigentliches Ziel – emotionale Unabhängigkeit und das subjektive Gefühl von Freiheit – nie erreicht habe und auf diesem Wege auch gar nicht erreichen kann.
Das hat mein Selbstbild ins Wanken gebracht. Ich empfinde mich mittlerweile als abhängiges Wesen. Meine Freiheit besteht unter anderem darin, zu wählen, von was oder wem ich mich abhängig mache.
Ich beobachte die Menschen, die mir nahe stehen, und schaue, ob ich bei Ihnen eine Bestätigung für dieses Menschenbild finde. Tatsächlich ist das – zumindest in meiner Wahrnehmung – häufig der Fall. Manche machen sich von Gott oder Jesus Christus abhängig, andere von ihrem Partner, ihren Eltern, einem gesellschaftlichen oder persönlichen Ideal. Viele von dem Bestreben nach Unabhängigkeit. Auch mehrere Autoritäten gleichzeitig sind möglich.
Gestern habe ich im Spiegel einen Report über die Täter im Nationalsozialismus gelesen. Nur ungefähr die Hälfte der ermordeten Juden wurde in Konzentrationslagern umgebracht. Es gab über 100.000 Mörder. Die wenigsten von Ihnen konnten als krank eingestuft werden und die meisten haben nach dem Zerfall des Dritten Reiches als ganz normale Bürger gelebt, ohne dass von Ihnen eine Gefahr ausgegangen wäre.
Es wird auch ein Versuch geschildert, in dem Probanden falsche Antworten von Prüflingen mit Stromschlägen bestrafen sollten. Die Probanden konnten dabei die Prüflinge nicht sehen, aber ihre Schreie hören. Die Schmerzen waren dabei simuliert, das wussten die Probanden allerdings nicht. Die Mehrzahl hat den Prüflingen trotz Schmerzenschreie Stromschläge mit 450V versetzt, wenn sie durch den Versuchsleiter dazu aufgefordert wurden.
Diese Vorgänge legen den Verdacht nahe, dass der Mensch eher den expliziten oder impliziten Anweisungen einer von ihm akzeptierten Autorität folgt, als das zu tun, was er für richtig – oder moralisch vertretbar – hält.
Dabei scheint für mich die Autorität, der es zu folgen gilt, häufig den Charakter eines Heilbringers zu haben. Hitler wurde so eingestuft. Für viele ist Unabhängigkeit die Rettung vor Leid und Schmerz, für andere eine Person.
Ich bin gespannt, was bei diesen Forschungen noch zu Tage tritt. Meine Lehre daraus ist bisher, große Aufmerksamkeit dafür zu verwenden, wen oder was ich als Autorität in meinem Leben akzeptiere. Spannend finde ich überdies, dass meine grossen Vorbilder sich selbst ebenfalls als sehr abhängig eingestuft haben.
Vorhaben
März 4, 2008
Ich will wieder so lieben wie ein Mann nur eine Frau lieben kann. Ich will wieder die Spannung zwischen Mann und Frau, das Knistern, die Leidenschaft, jemand ganz anderen lieben, will mich wieder bemühen, einer gemeinsamen Beziehung zuliebe über meine Schatten springen. Ich will streiten wie noch nie, lieben wie noch nie und gemeinsam wachsen wie noch nie. Und mir dabei immer bewusst sein, dass es einen Gott gibt, der viel größer ist als sie und ich und der nur das Beste für uns will.
Ich habe in den letzen Wochen ein seltsames Interesse für alle möglichen Formen von Lebensgemeinschaften entwickelt. Meine Wohnung ist zur WG geworden und ich hab eine Nummer von einer Bauernhof-10er-WG, in der ich zeitweise unterkommen könnte.
Dann war ich gerade wieder in Freiburg in meiner Theatertherapie-Ausbildung und habe gemerkt, wie sehr mein Tag dort mich zufrieden macht. Meine Unterkunft ist die Praxis einer Therapeutin, die ich mir mit zwei sehr netten Mit-Auszubildenden geteilt habe. Aufstehen, gemütliches Frühstück, zu Fuß zur Fachhochschule, den ganzen Tag gemeinsam arbeiten. Produktiv und ehrlich, konstruktiv und engagiert. Und jeden Tag echte Herausforderungen. Dann noch was trinken gehen und ab ins Bett. Kein Alkohol, kein Konsum, kein Laptop, keine emails, kein Internet, keine Versicherungen, Solaranlagen, Geldangelegenheiten, Papierkram, Videos. Einfach mal ein paar Tage nichts unwichtiges. Stattdessen Menschen, Freunde, Schicksale, Emotionen, Lerneinheiten zu Themen wie „innere Haltung“, heilen lernen.
Ich sehne mich nach einem Leben in Einfachheit, meinetwegen Armut. Frei von meinen Süchten. Mit Gleichgesinnten. Eine Art Kommune mit Menschen, die sich in Ihren Taten konsequent danach richten, was Jesus gelehrt und vor allem getan hat, unabhängig von Religion und Herkunft. Überzeugen durch Taten.
Ich will einen Dokumentarfilm drehen. Titel „Phantom Volksvertretung“. Schauen ob es stimmt, dass die wichtigsten Entscheidungen in Deutschland nicht mehr im Sinne des Volkes getroffen werden und dass daraus viel vermeidbares Leid resultiert. Auf unsere Verantwortung für alltägliche gewaltsame Handlungen hinweisen, die in unserer Welt meist indirekt in unserem Auftrag ausgeführt werden. Die Menschen ermahnen, sich konsequent liebevoll zu verhalten. Gegenüber Mitmenschen und der Schöpfung und nicht nur direkt, sondern auch indirekt über Kaufentscheidungen. Zu Konsumverzicht auffordern und zeigen, wie leicht wir eine gleichberechtigte und friedliche Völkergemeinschaft aus unserer Welt machen können, wenn wir das nur wollen und dementsprechend handeln.
Gewaltlosigkeit in ihrer ganzen Konsequenz in die Politik bringen und wählbar machen. Materiellen Reichtum und die damit verbundene gesellschaftliche Anerkennung vom Thron stoßen und den Platz freimachen für Demut, Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit und Gewaltlosigkeit. Ich will einen Ort schaffen, an dem ich gemeinsam mit Gleichgesinnten diesen Wunsch lebendig werden lassen kann. Davon träume ich und darum bitte ich. Für mich und für uns alle.
Ich will singen und musizieren. An meiner Gitarre und am liebsten zusammen mit einer Frau am Klavier oder an der Violine. Zweistimmig natürlich. So wie Damien Rice oder Glen Hansard in „Once“. Einfache, ausdruckstarke Musik.
Und zunächst suche ich einen Ort, an dem ich meine Daten und Gedanken sortieren kann und wo Menschen sind, die mir helfen, mich von meinen Süchten zu verabschieden.
Wenn Sie sich angesprochen fühlen, dann zögern Sie bitte nicht, sich bei mir zu melden.
Einsamkeit
März 4, 2008
Eine der ersten spannenden Fragen, die mir meine letzte Freundin gestellt hat, war, ob ich Angst davor habe, einsam zu sein. Ehe ich darüber nachdenken konnte sagte ich „Ja“ und war selbst erstaunt über diese klare und schnelle Antwort. „Das merkt man Dir an“ sagte sie.
Ich fühle mich zur Zeit öfters einsam. Und irgendwie schäme ich mich dafür.
Es war Freitag Abend, fast Mitternacht, und alles in mir hat sich dagegen gesträubt, alleine nach Hause zu gehen. Ich bin von Kneipe zu Kneipe, ohne mich irgendwo reinzusetzen in der Hoffnung, irgendwo jemanden zu finden, der mit mir kommt. Dann hab ich beschlossen, alleine nach Hause zu gehen, um mich meiner Einsamkeit zu stellen.
Ich versuche das derzeit öfters. Mich der Einsamkeit stellen. Sie kennen lernen.
An jenem Freitag habe ich meine Vorhaben formuliert.